Presse
20.11.2003

Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin nicht zur Disposition stellen!

Die Europaabgeordnete Christel Fiebiger hat sich mit einem Brief an den Präsidenten der Humboldt-Universität zu Berlin, Prof. Jürgen Mlynek, gewandt und darin ihre Stimme gegen die Absicht erhoben, die Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät bis 2009 vollständig zu schließen. In dem Brief heißt es unter anderem:

Die Nachricht von der beabsichtigten Schließung der traditionsreichen und Weltgeltung besitzenden Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität hat mich und viele meiner Kolleginnen und Kollegen im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung des Europäischen Parlaments entsetzt.

Für mich hat das Vorhaben zwei Aspekte. Einmal wende ich mich entschieden dagegen, dass Forschung und Lehre unter dem Diktat der Haushaltlöcher abgebaut werden. Es bedarf doch geradezu dieser "Investitionen" in die Zukunft, damit aus schwierigen Zeiten bessere werden. Das werde ich auch dem Berliner Senat gegenüber zum Ausdruck bringen. Insoweit können Sie auf meine Solidarität und Unterstützung zählen.

Die andere Seite ist, dass ich - bei allem Respekt vor der Autonomie der Universität - keinerlei Verständnis für den vom Präsidium Ihrer Einrichtung mit der Strukturplanung bis 2009 gefundenen Ausweg habe, eine ganze Fakultät komplett schließen zu wollen. Das ist ein Irrweg, auch wenn der Einspardruck auf Grund der schlimmen Berliner Haushaltssituation groß ist. Allein der Umstand, dass es an Berliner Universitäten 85 Doppel- und Mehrfachangebote gibt, sollte doch aus Gründen der Sparsamkeit und eines effizienten Einsatzes der Mittel dazu zwingen, die gesamte Berliner Hochschullandschaft zu reformieren anstatt eine Fakultät zu opfern.

Ich bitte Sie deshalb dringend, die Landwirtschaftlich-Gärtnerische Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin nicht zur Disposition zu stellen. Dafür gibt es viele gute Gründe. Hierzu zählen aus meiner Sicht insbesondere:
  • Die Landwirtschaft ist - trotz ihrer rückläufigen Tendenz an der Bruttowertschöpfung und Beschäftigung - ein Zukunftsbereich von wachsender Bedeutung für den ökologisch-sozialen Umbau der Gesellschaft. Ich verweise nur auf die größer werdende Bedeutung von nachwachsenden Rohstoffen und Bioenergie.

  • Forschungsergebnisse und Absolventen der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät werden dringend benötigt, um im Inland die neuen Anforderungen an eine nachhaltige multifunktionale Landwirtschaft bewältigen zu können, aber auch um beim anhaltenden Wachstum der Weltbevölkerung den Entwicklungsländern bei der Sicherung und Verbesserung ihrer eigenen Ernährungsgrundlage zu helfen.
Ich bitte Sie auch zu berücksichtigen, dass das Land Brandenburg mit Blick auf die Berliner Fakultät auf eine eigene Agrarfakultät verzichtet hat. Als langjährige Vorsitzende des Agrarausschusses im Brandenburger Landtag erinnere ich mich sehr wohl an die diesbezüglichen Auseinandersetzungen und Absprachen. Gerade mit Blick auf ein gemeinsames Bundesland Berlin-Brandenburg wäre die Schließung der Agrarfakultät verhängnisvoll. Die Alterstruktur in den Betrieben zeigt, dass in den kommenden Jahren ein wachsender Bedarf an kompetenten Führungsnachwuchs auftreten wird. Schließlich gehören Landwirtschaft und Ernährungsgewerbe zu den strukturbestimmenden Wirtschaftszweigen in der Region Berlin-Brandenburg, die auch künftig - um wettbewerbsfähig zu bleiben - eine wissenschaftliche Begleitung benötigen.

Ich bitte Sie daher, die vielen Stimmen, die sich gegen den Wegfall der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät an Ihrer Universität gerichtet haben, Ernst zu nehmen und die Strukturplanung zu korrigieren.
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