Griechenland

Ein Brief aus Griechenland, dem ein Besuch von Parlamentariern voraus ging






Bericht über eine Reise zu griechischen Tabakbauern

Von MdEP Christel Fiebiger

Der Ausschuss für Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung hat eine Delegation in die Xanthi-Region geschickt, mit dem Ziel, die Monokultur des Tabakanbaus zu studieren.
Die Studienreise fand in der Zeit vom 21.04-24.04.2002 statt. Die Grundlage dafür war ein Bericht des Europäischen Parlaments über den Vorschlag für eine Verordnung des Rates zur Festsetzung der Prämien und Garantieschwellen für Tabakblätter nach Sorten und Mitgliedstaaten. Dem Inhalt nach geht es dabei darum, die Subvention des Tabaks schrittweise einzustellen, und andere Einkommensquellen für die Tabakanbauer zu finden. Gleichzeitig verbindet sich damit der Gedanke, die schädlichen Auswirkungen des Tabakkonsums durch eine Reduzierung des Anbaus zu verringern.

Die Reise begann am 21.04.02 um 11.00 Uhr. Ich flog von Hamburg über Frankfurt nach Athen und nach einem Aufenthalt von zwei Stunden weiter nach Kavala in der Region Xanthi.
Am nächstem Tag empfing uns der Präfekt von Xanthi. Von ihm erfuhren wir, dass die Tabakgeschichte in Griechenland im 16. Jahrhundert begonnen hat. Zwei Franzosen sollen die Samen eingeführt haben. Die Region Xanthi ist seit 1715 durch den Tabakanbau bekannt. Der Präfekt präsentierte uns die orientalische Tabaksorte "Basma", die als Monokultur angebaut wird. Es handelt sich um eine niedrige Tabakpflanze mit kleinen Blättern und feinen Rippen. Der Glanz dieses Tabaks und seine Elastizität ist außergewöhnlich. Während der Trocknung bekommt er eine blondrötliche Farbe und seine charakteristisch starke Geruchsnote.

Der Präfekt hatte kein Verständnis für das Anliegen der EU, die Stützungen nach 2002 auch 2003 und 2004 abzusenken. Die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen sind in dieser Region ohne Alternativen. Das Einkommen der Bevölkerung ist nicht höher als 4000 Euro im Jahr, davon beträgt die Förderung aus Brüssel 2000 Euro.

Die große Bedeutung des Tabakanbaus für die Region wird jedem klar, wenn man die Landschaft mit den Bergackern genau betrachtet. Das geographische Relief, die steinigen Böden, die schwierig zugänglichen und kleinen zerstreuten Ländereien sind charakteristisch für das Bild dieser Landstücke.

Diese schöne Region ist schwer zugänglich, seinen Bewohnern wird es schwer gemacht, da alle Arbeiten per Hand durchgeführt werden müssen. Vom Säen über das Pflügen mit dem traditionellen Pflug und Hacken bis zur Ernte. Zum Schluss kommt das Durchstechen und das Aufziehen auf einer Schnur - alles per Hand!
Die Lagerung und die räumliche Auswahl erfolgt im Wohnhaus.

Mit dem Tabakanbau beschäftigen sich 4.678 Bauern. Und das bei einer Produktion, die auf 3.351.000 kg geschätzt wird. Jeder Bauer hat im Durchschnitt nur 6.000 Quadratmeter. Diese Produktion ernährt fast 5.000 Familien oder 20.000 Einwohner, die ausschließlich von diesem Einkommen leben.

Unsere kleine Gruppe hat ein Bergdorf besucht. Von den Tabakanbauern wurden wir freundlich empfangen. Ich bin mir sicher, dass in dieser Region noch nie eine Delegation des Europäischen Parlaments war. Um so größer auch die Erwartungen. Die Männer des Dorfes haben uns klargemacht, warum sie in dieser Region bleiben wollen. Die Heimat verläst man nicht, auch wenn das Leben schwer und die Zukunft keine Veränderung bringen wird. Die Frauen waren während der Gespräche draußen auf der Straße in ihren neuesten Kleidern. Die Schüler hatten frei, und so war der kleine Dorfplatz überfüllt.
Die Rollen des täglichen Miteinanderleben sind so, wie sie seit Jahrzehnten sind. Es sind die Frauen, die mit ihren Baby auf dem Rücken früh um 04.00 Uhr auf den Feldern die Tabakpflanzen ernten. Die Männer kümmern sich um das eventuell vorhandene Wasser.

An den folgenden beiden Tagen hatten wir dann noch verschiedene Beratungen

  • mit einer Delegation von Tabakherstellern
  • mit dem Rat für Landwirtschaftspolitik
  • mit den Interessenvertretungen der nationalen und lokalen Tabak verarbeitenden Industrie.

Alle brachten ihre Hoffung zum Ausdruck, dass in der Europäischen Politik auch für den relativ kleinen Tabakanbau in Xanthi genügend Platz vorhanden ist. Dass Rauchen die Gesundheit schädigt, das ist bekannt. Aber man kann sich auch an offenen Türen den Kopf einrennen. An Vorgaben, die nicht zu realisieren sind. Auch Brüssel kann nicht alles und überall regeln wollen. Europa ist ein Europa der Regionen. Ich werde meine Stimme einsetzen dafür, das auch in der Bergregion Xanthi die Menschen eine Zukunft haben.
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