Österreich

Besuch in der Steiermark

Bericht über eine Reise des Agrarausschusses in die Republik Österreich vom 20.05. bis 21.05.2002


Von MdEP Christel Fiebiger
Am 20.05.02 bin ich vom Flughafen Hamburg nach Wien geflogen.
Ich gebe zu, dass ich nicht nur wegen der Arbeit, die sich immer mit so einem Auftrag verbindet, nach Österreich, diesem Land in der Mitte Europas, gereist bin. Vordem kannte ich es, insbesondere seine historische Entwicklung nur aus Büchern und Filmen. 600 Jahre lang wurde die österreichisch-ungarische Monarchie von den Habsburgern regiert. Der Vielvölkerstaat zerfiel mit dem Ende des zweiten Weltkrieges in vier neue Nationalstaaten; der Rest wurde zur Republik Österreich. Zu der Zeit war die Wiener Bevölkerung eine Melange aus Böhmen, Mähren, Tschechen und Ungarn, deren Namen heute noch ganze Telefonbuchseiten füllen und Straßennamen kennzeichnen. Nach diesen Spuren suchte ich einige Stunden in der Metropole. Dabei hat mich diese alte Stadt mit der berühmten Wiener Oper, den zahlreichen Kaffees, dem Prater und dem Domplatz beeindruckt.

Ich mag es, wenn trotz der vielen Menschen in den Straßen einen eine Atmosphäre des Willkommenseins umfasst, die zur Ruhe und Besonnenheit zwingt. Beeindruckt hat mich die große Sauberkeit, die Freundlichkeit und die Hilfsbereitschaft der Wiener Bevölkerung gegenüber seinen zahlreichen Gästen.

Am 21. Mai ging die Informationsreise von Niederösterreich aus durch das Burgenland in die südliche Steiermark, die an und Ungarn, Slowenien grenzt.
Auf der Fahrt Weinberge so weit das Auge reicht. Nur vereinzelt waren Menschen in den Rebanlagen zu sehen. Anders ist das während der Beerenlese. In der Ernte arbeiten da zahlreiche Helfer aus Ungarn und Slowenien, die in Österreich fünfmal so viel verdienen wie in ihrer Heimat.

Österreich, das nur zwei Prozent der Einwohner der Europäischen Union stellt, erwirtschaftet fast zehn Prozent des gesamten EU- Außenhandels mit den mittel- und osteuropäischen Beitrittskandidaten. Im Wettbewerb um die neuen Märkte hat es die Alpenrepublik aus historischen und geographischen Gründen einfacher gehabt, als andere Volkswirtschaften. Mit der längsten Außengrenze zu den Erweiterungskandidatenländern dockt Österreich an die wirtschaftlich relativ starken künftigen EU-Länder Ungarn, Slowenien, Tschechien und die Slowakei an. Die hohe Qualität der österreichischen Agrarprodukte und der hohe Grad an naturnaher Bewirtschaftung und eine starke Lobby in der Verwaltung sind gute Chancen im Wettbewerb und für das Überleben der österreichischen Landwirtschaft.



Bei allen Begegnungen war das Hauptanliegen der Gastgeber, rüberzubringen, dass die Ausgleichszahlungen und Marktprämien fixer Bestandteil der europäischen Agrarpolitik bleiben müssen.

Der Präsident der Kärntner Landwirtschaftskammer, ein Mann, der weis wovon er spricht, brachte alles auf den Punkt. Wichtig für Österreich sei es, nach einheitlichen EU-Standards und Normen innerhalb des größer werdenden Binnenmarktes zu arbeiten. Die heimischen Landwirte müssten professioneller werden, um der neuen Konkurrenz Paroli zu bieten. Weiterbildung, Gütesiegelprogramme, Qualitätsproduktion, niedrige Produktionskosten und betriebliche Kooperation sollen die Bauern für die Erweiterung fit machen.



Die Forderung nach einen Europa-Vertrag für die Bauern war mir neu, aber die Österreicher haben bei den Beitrittsverhandlungen zur EG eigene gute Erfahrungen in dieser Richtung gemacht.

Aber eine Wiederholbarkeit ist heute politisch nicht mehr durchsetzbar, das wissen auch die Agrarexperten und setzen deshalb auf Regeln für nachhaltige Produktionsweisen. Eine langfristige und verlässige Agrarpolitik - das sind nicht nur Forderungen sondern Lebenserfahrungen, die ich nur unterstützen kann.

Dass die Wiener Beamten auch über einen ganz berühmten Charme verfügen, das zeigten sie auf der Österreichtour.
Vom Wiener Heurigen über einen bunten Abend in Glanz an der steirischen Weinstraße bis zum Treffen auf der Alm war alles aufs Beste vorbereitet.

Die Steiermark ist zu 61 % mit Wald bedeckt. Holz ist ein enormer Reichtum und Wirtschaftsfaktor. Mit Holz wird geheizt und gebaut. Holz ist die wirtschaftliche Grundlage, um auf dem Gebiet der Biomasse - Energie eine Alternative und ein weiteres Standbein für die Landwirte, um Einkommen für die Familie zu sichern.



Im Bauernwald wird so viel wie möglich selbst gemacht, "um mit gutem Beispiel voran zu gehen " - Das sagte der Hausherr Walter Leitner über sein ungewöhnliches neuerbautes Bauernhaus.
Aber auch die Mutterkuhhaltung, die Grünlandbewirtschaftung und die Veredlung der Erzeugnisse standen auf dem anspruchsvollen Programm dieser Informationsreise.
Österreichs Landwirtschaft ist mit der Vielfalt der Tätigkeiten und den Einkommensmöglichkeiten auf einem guten Weg.

Es war eine Erfahrung für mich, zu beobachten, wie Europa zusammenwächst.
Umworben wurden die Europaabgeordneten mit dem Anspruch, die heimatlichen Interessen zu vertreten, und wenn es darauf ankommt, sich darauf zu besinnen, dass es in Europa unterschiedliche Perspektiven, politische Kulturen und unterschiedliche Meinungen gibt.
Entscheidend sind für mich jedoch die Methoden, die uns zusammenführen können. Das scheint mir das Wesentliche, aber auch die schwierigste Aufgabe zu sein.
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