Reden

SITZUNG AM MITTWOCH, DEM 3. MAI 2000

Nahrungsmittelhilfe-Übereinkommen

Fiebiger (GUE/NGL). - Herr Präsident! Dem Bericht von Frau Schierhuber über die Nahrungsmittelhilfe stimme ich ausdrücklich zu. Selbst Produzentin von Nahrungsmitteln unter den Bedingungen der Berliner Beschlüsse - öffentlich auch breit diskutiert -, weiß ich um den Irrsinn des Widerspruchs zwischen den verschiedenen Methoden der Produktionsdrosselung in der EU und dem Hunger in der Welt. Es steht nirgends geschrieben, daß derjenige Teil der Weltbevölkerung, der in einer zerstörten Umwelt lebt, weil Naturkatastrophen oder Kriege das Leben unmöglich machen, nichts zu essen haben darf. Ein Euro pro Tag reicht zum Überleben und ist damit eine Chance für eine Zukunft. Machbar ist das auf alle Fälle. Die Europäische Union, die Mitgliedstaaten, die Politik, die Industrie und die Wissenschaft müssen dabei ihre Verantwortung übernehmen, um die Mauer zwischen Wohlstand und Hunger auf Dauer zu beseitigen. Wonach, frage ich mich, werden uns künftige Generationen beurteilen? Nach den uns überrollenden Megafusionen zu immer größeren, unkontrollierbaren Goliath-Unternehmen, oder danach, ob es uns gelingt, im kommenden Jahrzehnt eine gezielte Armutsbekämpfung durch Schuldenerlaß für die Entwicklungsländer als einen ersten, aber notwendigen Schritt anzupacken? Im Bericht wird zu Recht auf eine Vielzahl von Leitlinien zur Armutsbekämpfung verwiesen. Aus Zeitgründen kann ich daher nicht näher darauf eingehen. Dem sorgfältigen Betrachter fällt hier jedoch auf, daß es eine Abwägung gibt zwischen verschiedenen Gewichtungen. Die drücken sich aus Sätzen wie: "am wenigsten entwickelte Länder vor allem unterstützen ' oder "Bekämpfung von Armut und Hunger der schwächsten Bevölkerungsgruppen '. Ich bin froh, daß ich nicht zu denjenigen gehören muß, die täglich unterscheiden zwischen "ein bißchen Hunger ' oder "verhungern ', wie es zur Zeit in der Öffentlichkeit dargestellt wird, wobei traurigerweise nicht viel passiert. Richtig verweist der Bericht in seinem Hauptteil darauf, daß es Ziel sein muß, Nahrungsmittelhilfe überflüssig zu machen. Das wird jedoch erst möglich, wenn sich die Politik darauf einigen kann, daß Hunger keine politische Waffe ist, und wenn sich in allen gesellschaftlichen Bereichen - auch in Europa - die Verantwortungsträger darauf verständigen könnten, daß wir die Erde von unseren Kindern bekanntlich nur geliehen bekommen haben. Wir sind Treuhänder unserer Nachfahren für die Güter auf unserer Erde. Wenn so verfahren wird, und davon bin ich überzeugt, kann Armut wirklich bekämpft werden!

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