Reden

SITZUNG AM DIENSTAG, 3. APRIL 2001

Maul- und Klauenseuche

Fiebiger (GUE/NGL). - Herr Präsident! Die in Großbritannien grassierende Seuche und das Übergreifen auf das Festland machen deutlich, dass der Seuchenzug mit der bisherigen Seuchenstrategie offensichtlich nicht aufgehalten werden kann. Ich bin nicht der Ansicht, dass wir hier schon über den Berg sind. Die Kommission befürwortet nach dem ersten Auftritt der Maul- und Klauenseuche das Schlachten der Lämmer und brennende Scheiterhaufen und war nicht für andere Bekämpfungsmethoden der Maul- und Klauenseuche zu begeistern, die im Rahmen nationaler Entscheidungen hätten beschlossen werden können. Ein großes politisches Abenteuer - so meine ich -, da Kosten und Nutzen nur schwer zu erklären sind. Von Anfang an auf die Ökonomie zu setzen, wäre hier der richtige Weg gewesen. Das Impfen in den ersten Tagen des Ausbruches von Maul- und Klauenseuche hätte viel Geld, aber vor allem persönliches Leid erspart. Schätzungsweise 200 Millionen Nutztiere werden jedes Jahr durch die EU gekarrt. Eine Rückverfolgung dieser Handelskette ist in der notwendigen Zeitfolge immer problematisch und unsicher. Schon in den normalen Jahren - ohne BSE- und MKS-Krise - sind die Fehlerquoten hoch. Die Gemeinsame Agrarpolitik ist ein schwerer Dampfer, der, einmal in Fahrt gekommen, schwer zu stoppen ist. Deshalb wäre es notwendig gewesen, für die Bekämpfung von MKS mehrere in der Praxis durchführbare Alternativen anzuwenden. Die jetzige Form zeugt von Mittelmaß und Unvernunft - ich freue mich, dass das geändert werden soll! Der Rindfleischverbrauch ist um die Hälfte gesunken. Die Preise sind im Keller, und die monatlichen Löhne können nicht mehr durch die Rinderproduktion erwirtschaftet werden. Das Ausgleichsprogramm von Herrn Kommissar Fischler sollte ergänzt werden um einen Punkt 8, nämlich um die Aufhebung des Strafbonus für die Milchquote. Dies macht Sinn, da Viehverkäufe gestoppt wurden. Existenz und Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, im Ernährungsbereich und im Vorbereitungsbereich stehen auf dem Spiel, ein Dorftourismus findet auch in den Nicht-MKS-Gebieten nicht mehr statt. Sogar Verwandte bleiben zu Hause. Das alles in einem sogenannten Aufbruchprogramm wieder zurechtzuflicken, wird Jahre dauern. Schließlich wird kein Rind über Nacht produziert. Die Impfung muss europaweit als ein normales Instrument für Seuchenbekämpfung besser genutzt werden. Sicher zu stellen ist dabei, dass natürlich geimpfte Klauentiere und deren Produkte verkehrsfähig sind, also ohne Handelsbeschränkung vermarktet werden können. Mit Nachdruck sind Tests zu entwickeln, mit denen geimpfte Tiere von infizierten unterschieden werden können. Dann sollte es der Kommission auch leichter fallen, den Nationalstaaten bei der Mitbestimmung im Seuchenschutz und bei der Bekämpfung mehr Freiräume zu geben als bisher.

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